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25.06.2021

'Stadt für Morgen': Leonberg wird grünes Vorbild für Stadtentwicklung 

Weniger Autos, mehr Lebensqualität - so lautet das Ziel des zukunftsgerichteten Stadtumbaus. 

Engelbergturm, Engelbergwiese

Engelbergturm, Engelbergwiese  | © 2019 Werner Riehm - www.FLY-FOTO.de

 


Leonberg gleich Autostadt

Diesen Stempel trägt die knapp 50.000 Einwohner-Kommune westlich von Stuttgart seit den 1970er Jahren – zu recht.

Damals hatte der Slogan seine Berechtigung, galt sogar als sexy. Von einer Verkehrswende sprach damals schließlich niemand. Das ist heute anders.

Eine Stadt erfindet sich neu

Deshalb erfindet sich Leonberg neu. Und beginnt mit einem zukunftsgerichteten Stadtumbau.

"Die 'Stadt für Morgen' ist ein Mammutprojekt. Aber nur, weil die positive Zukunft Leonbergs Zeit und Geld kostet, hält uns das nicht auf. Gemeinsam mit dem Gemeinderat haben wir eine wegweisende Entscheidung getroffen. Eine Entscheidung, die den Zeitgeist trifft, Lebensqualität schafft und dabei das Auto nicht verbietet. Darauf bin ich stolz", fasst Oberbürgermeister Martin Georg Cohn das förderfähige Projekt zusammen.

Das Maßnahmenpaket

Doch was steckt dahinter? Kurz gesagt: Eine Vielzahl an Maßnahmen, die durchaus als ein Kapitel in einem städtebaulichen Jahrhundertprojekt bezeichnet werden kann. Denn sowohl die Eltinger Straße zwischen Seestraße und Neuköllner Platz, die Römerstraße zwischen Kreisverkehr und Einmündung Steinstraße, als auch die Leonberger Straße und Steinbeisstraße erhalten einen neuen Anstrich. Mehr noch. Eher eine moderne Kernsanierung.

Lebenswerte Räume schaffen

Denn es ist unüberseh- und spürbar, dass dem motorisierten Individualverkehr in Leonberg ein zu großer Stellenwert eingeräumt wurde – und immer noch wird.

Fußgänger und Fahrradfahrer haben in der City oft das Nachsehen. "Genau hier wollen wir ansetzen. Künftig müssen für alle Verkehrsformen die gleichen Spielregeln gelten. Sie müssen gleich gewichtet werden. Nur so bekommen wir eine Innenstadt, die nach Zusammenleben und Verweilen ruft. Das ist Zukunft. Das ist grün. Das ist Leben", sagt Cohn.

Fußverkehr fördern

Dafür muss zunächst der Fußverkehr durch eine kluge Funktionszuordnung bei den Gehwegen und Fahrstreifen gefördert werden. Breitere Gehwege, grüne Bepflanzung und gemütliche Bänke sollen zum Verweilen einladen. Der Neuköllner Platz zum Beispiel soll größer und offener werden und dadurch einen echten Platzcharakter erhalten. Dafür müssen Straßen zurückgebaut oder verkleinert werden. Das schafft ein kinderfreundliches Umfeld und erleichtert ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter.

Rolle des Neuköllner Platzes

Am Neuköllner Platz allein reicht diese Maßnahme jedoch bei weitem nicht.

Benötigt wird ein klug gespanntes Netz an Fußwegen, die vor allem die Strecken für Kinder, Jugendliche und Senioren sicherer machen. Durch eine optimierte Zuflusssteuerung mit besseren Ampelschaltungen in der gesamten Innenstadt fährt der Verkehr flüssiger – und für Fußgänger wie auch Radfahrer sicherer.

Zuflusssteuerung liefert verlässliche Zahlen

"Diese Steuerung ist ein echter Durchbruch für Leonberg. Sie ist das Herzstück des Gesamtprojekts und ein ganz entscheidender Faktor, um die Blechlawinen aus der Innenstadt fernzuhalten. Die Folge wird sein, dass die Autos nicht mehr von der Autobahn abfahren, sondern dort bleiben", erklärt OB Cohn.

Die Zuflusssteuerung soll noch in diesem Jahr kommen. 2022 muss sich die Stadtverwaltung dann nicht mehr auf Prognosen verlassen. "Wir werden uns auf konkrete Erfahrungswerte stützen. Sie werden uns dabei helfen, einen noch klareren Blick auf die Gesamtlage zu bekommen. Dann können wir die Feinjustierung angehen", sagt OB Cohn.

Aus der Praxis

Beispiele gefällig? Im Zuge der Großbaustelle der Firma Bosch ist eine umfassende Neugestaltung der Poststraße geplant. Außerdem soll auf dem ehemaligen Postareal eine Bebauung entstehen, die sich optisch und strukturell an der Umgestaltung der Innenstadt orientiert. "Hier darf auf keinen Fall eine Art Fremdkörper errichtet werden", sagt OB Cohn entschieden.

Zu guter Letzt bekommt die Kreissparkasse am Knotenpunkt Grabenstraße/Stuttgarter Straße einen modernen Neubau.

Wichtige Bedeutung des Leonberger Bahnhofs

Nicht nur Radeln ist grün. Auch auf der Schiene sind die Bürgerinnen und Bürger nachhaltig unterwegs. Daher soll der Leonberger Bahnhof als multimodaler Knoten noch besser vernetzt werden.

Wichtig: Das Umsteigen von A nach B soll erleichtert werden.

"Dafür ist ein Umbau des ZOB und des Bahnhofsbereiches Grundvoraussetzung", sagt Cohn.

Die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn laufen. "Ich bin sehr optimistisch, dass wir hier eine gute Lösung finden werden", so der Oberbürgermeister.

Radverkehr als Schlüssel

Es klang bereits an. Eine entscheidende Rolle spielt selbstverständlich auch der Radverkehr. Auch hier hat die Stadtverwaltung vorgesorgt.

Er soll künftig – teils mit Elektromotor unterstützt – die Verkehrsform Nummer eins in der Innenstadt sein. Dann heißt es: Staus, Abgase und volle Parkhäuser adé.

"Damit sich die Bürgerinnen und Bürger aber noch öfter auf den Drahtesel schwingen, müssen sie sich sicher fühlen", so Cohn. Dafür wird unter anderem das Radwegekonzept aus dem Jahr 2013 fortgeschrieben, neu gedacht und an die aktuellen Bedürfnisse angepasst.

Keine Verdammung von Autos

Trotzdem steht und fällt die "Stadt für Morgen" mit dem Grundsatz: weniger Autos.

Was im Falle Leonbergs aber nicht bedeutet, Autos gänzlich auszuschließen. "Das würde gar nicht zu unserer DNA passen", sagt der Oberbürgermeister.

Leonbergs besondere Lage

Eine besonders große Herausforderung spielt aber die territoriale Lage. Leonberg liegt nur wenige Kilometer westlich von Stuttgart, direkt an der Autobahn 8 Richtung Pforzheim und Karlsruhe. Bei Stau meidet man die Autobahn und nimmt die Umfahrung – mitten durchs Leonberger Herz.

"An der Lage, die für uns auch viele Vorteile hat, können und wollen wir nichts ändern. Aber es gibt Mittel und Wege das Verkehrsaufkommen zu verringern", sagt Cohn entschieden.

Was er meint? Unter anderem einen Schulterschluss mit dem Verband Region Stuttgart. Konkret: das Pilotprojekt der Regionalen Mobilitätsplattform. Wesentliches Ziel dieser Initiative ist es, die intelligente und nachhaltige Mobilität durch Digitalisierung zu gestalten. Dafür soll etwa der städtische Verkehrsrechner als feste Säule dienen. Der Vorteil: Der Rechner rechnet bereits. Und wird künftig an die Verkehrsmanagementzentrale der Region Stuttgart angebunden.

Idee Umgehungsstraße

Die – kurz gedacht – einfachste Lösung wäre es, eine Umgehungsstraße um Leonberg herum zu pflastern. Diese Option wird von einigen Gemeinderäten stark fokussiert. Sie ist auch nicht vom Tisch. Aber eine Umgehungsstraße bedarf zunächst einer umfassenden und zeitintensiven Planung.

"Es gibt hier so viele Hürden, die wir überspringen müssen. Und wir wissen einfach nicht, wie lange das dauert, bis es konkret werden könnte. Wir dürfen uns deshalb auf diese Straße nicht verlassen, sondern müssen uns auf die Projekte konzentrieren, die wir definitiv umsetzen können. Der Bau einer Umgehungsstraße wird parallel geprüft", beschreibt Oberbürgermeister Martin Georg Cohn seinen Schlachtplan für die grüne City.

Förderfähigkeit

Und wer soll das alles bezahlen? Die "Stadt für Morgen" ist ein Mega-Zukunftsprojekt. Wie viel Geld dafür aufgewendet werden muss, lässt sich heute noch schwer beziffern. Klar ist aber: Das sogenannte Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, kurz LGVFG, sieht für visionäre Projekte wie in Leonberg Fördermittel vor.

Denn die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, der Luftsituation und des Lärmschutzes sind landes- und bundesweite Anliegen, die dringend verbessert werden müssen.

Ziel: grünes Vorbild für andere Kommunen

"Wir sehen es als unsere Aufgabe, ein grünes Vorbild für andere Kommunen zu werden. Eine Voranfrage zur Förderfähigkeit wurde beim Regierungspräsidium Stuttgart bereits eingereicht. Ich bin mir sicher, dass wir die Zusage auch bekommen", sagt OB Martin Georg Cohn.

Der Förderantrag des ersten Schritts hin zur "Stadt für Morgen" muss bis spätestens 31. Oktober 2021 erfolgen. "Und dann können wir richtig loslegen", so Cohn.


 

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