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Historische Leonberger Altstadt © Vilja Staudt
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Johannes Bohle will das Fahrrad in Leonberg stärken

Johannes Bohle ist promovierter Geograph und seit Juni dieses Jahres Radverkehrskoordinator bei der Stadt Leonberg. Die Stadtentwicklung sieht der 35-Jährige als gemeinschaftlichen Prozess, an dem sich möglichst viele Menschen mit verschiedenen Interessen beteiligen sollen.  

Herr Bohle, woher kommt ihr Interesse am Fahrrad?

In der Lehre habe ich mich oft mit dem Thema beschäftigt, für Stadtentwicklung ist das Fahrradfahren ein ganz zentrales Thema. Es ist aktuell, aber auch ein Zukunftsthema. Fahrradfahren ist einfach, günstig und schnell. Jetzt braucht es noch eine gute Infrastruktur, damit wir die Stärken des Fahrrads in Leonberg ausleben können.

Wie steht es denn um Leonberg in Bezug auf Radinfrastruktur?

Die Stadt Leonberg hat in der Vergangenheit bereits viele pragmatische Lösungen ausgearbeitet, darunter etwa ein bestehendes Radverkehrskonzept. Sie sind aber heute teilweise veraltet und müssen jetzt zukunftsgerecht aufgearbeitet und angepasst werden. Es geht also darum, die kleineren, konkreten Maßnahmen mit dem großen Ganzen zu verbinden, das heißt das Konzept fortzuschreiben sowie einladende und sichere Radinfrastrukturmaßnahmen umzusetzen.

Sowohl im Großen, als auch im Kleinen, gibt es hier sehr vieles, was ich überzeugend finde. Gleichzeitig ist der Bedarf auch offensichtlich: Das Radkonzept zum Beispiel ist inzwischen viele Jahre alt und es besteht großer Nachholbedarf, um ein flächendeckendes Radnetz in Leonberg zu etablieren.

Worin besteht Ihre tägliche Arbeit gerade?

Gerade bearbeite ich Anfragen aus der Bürgerschaft, prüfe unsere eigenen Ideen und setze kleinere Maßnahmen um. In diesem Jahr möchten wir uns noch auf eine Fördermöglichkeit vom Land bewerben – das gehört auch zu meinen Aufgaben.

Die zweite große Baustelle ist die Kultur des Radfahrens. Dafür brauchen wir alle einen langen Atem. Es gibt schon einige Aktionen wie die Pendlerbrezel oder das STADTRADELN, die das fördern. Langfristig soll das Fahrrad eine interessante und pragmatische Lösung für möglichste viele Menschen sein, die sich dabei auch sicher fühlen.

Welche Erkenntnisse bringen Sie aus Ihrer Zeit in Forschung und Lehre mit?

Die Herausforderungen ähneln sich in vielen Städten. Überall stellt man sich die Frage: Wie verteilen wir die vorhandenen Flächen zeitgemäß? Wir können nicht beliebig in die Breite oder Höhe bauen. Viele Städte tun das, was Leonberg auch tut: Sie versuchen, die Verkehrsströme neu zu kanalisieren. Dazu werden mehr Flächen für andere Verkehrsformen neben dem Auto konzipiert: ÖPNV, Fahrrad, Roller, Fußgängerinnen und Fußgänger. Auch den Autofahrenden kommt das zugute: Wenn jemand mit dem Fahrrad fährt, ist gleichzeitig ein Auto weniger auf der Straße. Auch die Innenstadt wird attraktiver, wodurch der Handel gestärkt wird.

Welche Ziele will die Stadt Leonberg erreichen und wie arbeiten Sie daran mit?

Ich entwickle gemeinsam mit Oberbürgermeister Martin Georg Cohn und dem gesamten Team aus dem Referat für innovative Mobilität Ideen. Ziele zu entwickeln ist immer ein gemeinschaftlicher Prozess. Wir sind außerdem auch auf Wünsche, Kritiken und Ideen aus der Bevölkerung angewiesen. Dort gibt es verschiedene Interessen, die wir bündeln und zusammenführen müssen. Meine Vorstellungen sind lediglich ein ganz kleiner Teil davon.

Über Dr. Johannes Bohle

Dr. Johannes Bohle kommt aus Ravensburg und hat in Karlsruhe und Basel studiert. 2013 ging er zur Promotion nach Bielefeld und lehrte anschließend in Flensburg Geographie. Die Sehnsucht nach dem Süden brachte ihn zurück nach Baden-Württemberg. Seine neue Stelle als Radverkehrskoordinator bei der Stadtverwaltung nennt er einen "glücklichen Zufall".



08.09.2022 

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